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 Nicolas Flamel - der Unsterbliche? 
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Einer der berühmtesten Alchemisten dürfte Nicholas Flamel sein, weil er in dem Ruf steht, den Stein der Weisen hergestellt und eingenommen zu haben. Und dies mit Hilfe seiner Frau, Pernelle. Falls dies stimmt, dürfte er - und vermutlich auch seine Frau - zu den Unsterblichen zählen.

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Diesem Umstand ist es zu verdanken, warum Flamel wohl immer wieder in der Populärkultur auftaucht. Er findet Erwähnung in Büchern wie der „Glöckner von Notre Dame“, „The Da Vinci Code“ und „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Es gibt auch eine ganze Bücherreihe, die ihm und seinem Mythos gewidmet ist: „Die Geheimnisse des unsterblichen Nicholas Flamel“ von Michael Scott.


Wer aber war Nicholas Flamel wirklich?

Sein Geburtsdatum wird um 1330 vermutet und sein Todesdatum um 1414 oder 1418. Als Sohn von Juden und katholischer Konvertit wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf und wohnte die meiste Zeit seines Lebens in Paris. Er wurde von seinem Vater und später von Benediktinern zum Schreiber und Kopisten ausgebildet. Er beherrschte die Sprachen Französisch, Hebräisch und Latein. 1368 heiratete er Pernelle und führte mit ihr zusammen zwei Läden, wo er neben seinem gelernten Handwerk vermutlich auch mit Schriften und Immobilien handelte. Außerdem unterhielt er eine Werkstatt, wo er Manuskripte herstellte.

Um 1361 soll er mit einem vorankündigenden Traum in den Besitz eines mysteriösen Buches gekommen sein, das gerade mal 21 Seiten lang war, aus Baumrinden bestand und allegorisch die Herstellung des Steins der Weisen illustrierte. Fortan machte er sich an die Entschlüsselung der Schrift. Dies gestaltete sich schwierig, obwohl Flamel durch seine private Bibliothek und sein eingerichtetes Labor bereits recht gut mit der Alchemie vertraut war. Um 1378 reiste er nach Spanien, um Hilfe von jüdischen Alchemisten und Kabbalisten zu bekommen. Dies verlief zunächst fruchtlos. Erst sein Rückweg war mit Erfolg gekrönt, als ein jüdischer Gelehrter ihm entscheidende Hinweise zur Deutung gab und den Text als eine seltene Kopie vom dem verloren geglaubten „Buch Abrahams des Juden“ identifizierte.

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1382 hatte das Ehepaar Flamel das Buch angeblich soweit enträtselt, dass ihnen mit Hilfe des Steins zum ersten Mal die Transmutation von Quecksilber zu Silber gelang. Wenige Tage später dann sogar zu Gold. Die vollständige Entschlüsselung war vollbracht, als man aus dem Stein schließlich den Trank der Unsterblichkeit gewann.

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Mi 23. Sep 2015, 23:14
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Dies wird natürlich von einigen Forschern angezweifelt, v.a. von der akademischen Welt. Aber es ist auffällig, dass Flamel ab diesem Zeitpunkt zu Reichtum gelangte und diesen hauptsächlich für wohltätige Zwecke einsetzte, so wie es ein weiser Adept tun würde. Unter anderem gründete er kostenlose Krankenhäuser, ließ Wohnungen für einkommensschwache Bürger errichten und spendete immer wieder Gelder an Kirchen, Stiftungen, Hospizen und Armenspeisungen. Im Gegenzug dafür verlangte er manchmal, dass an den Gebäuden allegorische Darstellungen mit alchemistischem Hintergrund angebracht wurden. Warum würde er dies tun wollen, wenn nicht, um auf etwas hinzudeuten?

Auch für das Erlangen der Unsterblichkeit gibt es reale Hinweise. So mutet es seltsam an, dass er 1410 seinen eigenen Grabstein entwarf. Auch dieser enthält Bezüge zur Alchemie und ist noch heute im Pariser Musée de Cluny zu sehen.

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Woher wusste er, dass er bald sterben würde? Oder wollte er damit seinen Tod vortäuschen? Gerüchte, dass sein Grab leer war, machten jedenfalls oft genug die Runde. So soll z.B. ein Räuber, der es auf Flamels Gold abgesehen hatte, in seine ehemalige Wohnung eingebrochen sein und sich dann, nachdem er nichts vorgefunden hatte, an seinem Grab zu schaffen gemacht haben. Dort fand er den Sarg aber nicht nur ohne Gold vor, sondern auch ohne Leichnam!

Eine andere Geschichte besagt, dass ca. 200 Jahre nach Flamels angeblichen Tod, in den Zeiten von Ludwig XIII, der berüchtigte Kardinal de Richelieu Flamels Geheimnissen auf die Spur kommen wollte und dazu einen Nachfahren namens Dubois befragte. Dieser soll noch in Besitz von etwas Projektionspulver gewesen sein und damit erfolgreich eine Transmutation vorgeführt haben. Da er aber vorgab, nur wenig von den Notizen und der Herstellungsweise seines Vorfahrens zu verstehen, inhaftierte der Kardinal ihn und fand sogar einen Vorwand, ihn zum Tode zu verurteilen. Dadurch konnte er seine Besitztümer konfiszieren und durchsuchen. Als auch dies keine Ergebnisse lieferte, veranlasste er schließlich die Beschlagnahmung und Untersuchung von allen Häusern, die einst in Nicholas Flamels Besitz waren. Und es dürfte kein Zufall sein, dass zur selben Zeit von Räubern auch sein Grab aufgebrochen wurde, welches (wieder mal?) leer vorgefunden wurde....

Mag sein, dass dies alles nur Legenden sind. Aber Fakt ist, dass es bis in die Neuzeit Sichtungsberichte von Flamel gibt. So soll er bis 1761 immer wieder in Paris gesehen worden sein und Anfang des 18.Jahrhunderts in der Türkei und später sogar in Indien. Wohl gemerkt eher im jugendlichen Alter. Diesbezüglich ist es auch seltsam, dass die Blinden vom Hôpital des Quinze-Vingts, in Erinnerung an Flamels großzügige Spenden, bis 1789 (!) in seiner Stammkirche, der Saint Jacques de la Boucherie, für ihn beteten. Warum betet man so lange für einen Verstorbenen?

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Mi 23. Sep 2015, 23:19
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Nahrung für seine Unsterblichkeit dürfte auch sein, dass mehrere Jahrhunderte später Bücher und Notizen in seinem Namen veröffentlicht wurden. Z.B. das 1612 erschienene „Livre des figures hiéroglyphiques“ (1624 in Englisch „Exposition of the Hieroglyphical Figures“, 1680 in Deutsch, „Des berühmten Philosophi Nicolai Flamelli Chymische Werke“), welches die Hauptquelle für Flamels Herstellung vom Stein der Weisen ist. Die Einleitung beschreibt seine Entdeckung und Erforschung des Abraham-Buches mit reproduzierten Bildern, während der eigentliche Inhalt eine Sammlung von Emblemen und Hinweisen zu jenem großen Werk ist. Die Darstellungen wurden von Flamel als Giebelschmuck für den Friedhof der Unschuldigen in Auftrag gestellt, welcher aber leider nicht mehr erhalten ist. Eine davon zeigt Flamel zusammen mit seiner Frau.

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Die Autorschaft Flamels für dieses Buch wird allerdings angezweifelt. So soll das Ganze nur ein erfundener Mythos von einem anderen Autoren sein, nämlich P. Arnauld de la Chevalerie. Auch wird gemutmaßt, dass es sich beim „Buch Abrahams des Juden“ eigentlich um eine Auflistung von versteckten Schätzen handelt, die die aus Frankreich vertriebenen Juden hinterlassen hatten und Flamel die Geschichte um den Stein der Weisen nur als Tarnung benutzte, um den dadurch erworbenen Reichtum zu erklären.

Gegen diese Theorien spricht aber, dass es keine größeren Reiseunternehmungen von Flamel innerhalb Frankreichs bekannt sind und dass es genug Anhaltspunkte gibt, wie oben angeführt, dass er tatsächlich die Geheimnisse der Transmutation und Unsterblichkeit kannte und einsetzte. Diese waren schließlich so bekannt, dass es immer wieder zu Durchwühlungen und gar zu Aufbrechungen des Mauerwerks in seinem Haus kam - in der Hoffnung, v.a. Überreste des Projektionspulvers zu finden. Auch seine anderen Häuser und errichteten Bauten blieben, wie bereits erwähnt, nicht verschont und oft wurden sie ihrer Ornamente beraubt.

Flamels Wohnhaus von 1407 steht übrigens immer noch und gehört zu den ältesten Gebäuden Paris.

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Auch sind zwei Straßen in der Nähe des Louvre nach den Flamels benannt, die "Rue Nicolas Flamel" und die "Rue Pernelle", die sich bestimmt nicht zufällig kreuzen.

https://www.google.com/maps/place/Rue+Nicolas+Flamel,+75004+Paris,+Frankreich/@48.8587295,2.3495606,18z/data=!4m2!3m1!1s0x47e66e1e8832e50d:0xadff5495965c7bfb

Angeblich hinterließ Nicolas Flamel ein Testament, dass er 1414 in Code verfasste und nur für seinen Neffen bestimmt war. Nachdem es aufgefunden wurde, gelang es erst 1758, den Code zu entziffern. 1806 wurde es dann publiziert, was allerdings seine Authentizität in Frage stellt, weil es sich nicht um das ursprüngliche Manuskript handelt und dieses auch bis heute nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat. So oder so handelt es sich aber um ein Dokument mit Wert, da es eindeutige Beschreibungen zum großen Werk wiedergibt.

Ob Flamel dieses wirklich vollbracht hat, sei dahingestellt. Aber sicher ist, dass er die Unsterblichkeit zumindest durch seinen Mythos erlangt hat...

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Mi 23. Sep 2015, 23:20
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Kennt einer von euch den Film "Katakomben" von 2014? Hab da grad gelesen, dass Teil der Geschichte dabei ist, dass Flamel in den Pariser Katakomben begraben und nicht weit davon entfernt eine Geheimkammer mit dem Stein der Weisen sein soll. Die Protagonisten suchen auch danach. Ich frage mich, wie die Filmemacher wieder auf so was kommen. Vielleicht gab es diesbezüglich ja auch mal Gerüchte...?

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So 13. Dez 2015, 23:53
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Also eine Erklärung für Flamels Reichtum könnte auch seine Herkunft sein, in der schule wurde uns mal erzählt das Juden im Mittelalter nur das Gelgeschäft betreiben durften und dadurch extrem Reich wurden (was sie noch unbeliebter machte aber das ist ne andere Geschichte). Es wäre zumindest eine Erklärung für seinen Reichtum.


Do 16. Mär 2017, 20:35
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